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Bergtouren am Wendelstein: 6 Fehler, die Sie vermeiden sollten
Wendelstein & Bergerlebnis

Bergtouren am Wendelstein: 6 Fehler, die Sie vermeiden sollten

Der Wendelstein ist 1.838 Meter hoch. Diese Zahl steht auf Wegweisern, in Touren-Apps und in Prospekten. Sie klingt überschaubar, fast niedlich für einen bayerischen Voralpengipfel. Genau diese Wahrnehmung ist das Problem.

Wer am Wendelstein plant wie für einen längeren Spaziergang durchs Inntal, baut sich schnell sechs klassische Fehler ein, die aus einer schönen Tagestour eine zähe oder sogar riskante Angelegenheit machen.

Von Osterhofen oder Bayrischzell aus sind rund 1.000 bis etwa 1.030 Höhenmeter im Aufstieg ein realistischer Richtwert. Für Brannenburg lässt sich diese Angabe nicht pauschal übernehmen: Dort hängt der Höhenunterschied vom gewählten Zustieg und vom konkreten Startpunkt ab. Entscheidend ist ohnehin nicht die Zahl allein, sondern die Kombination aus Steigung, Untergrund, Wetter, Tagesform und Rückweg. Der Berg ist kein künstlicher Gefahrenparcours. Wer ihn aber wie einen einfachen Spazierweg behandelt, macht die Tour unnötig anspruchsvoll.

1. Die physische Realität: Warum 1.000 Höhenmeter oft unterschätzt werden

Höhenmeter wirken in der Planung sauber und übersichtlich. Eine Zahl, eine Linie im Höhenprofil, vielleicht noch eine berechnete Gehzeit – fertig ist der Tourenplan. In der Praxis sind 1.000 Höhenmeter aber keine gleichmäßige Aufgabe. Der Körper arbeitet nicht auf jedem Abschnitt gleich, und auch der Weg stellt nicht überall dieselben Anforderungen.

Die bestätigte Größenordnung von rund 1.000 bis 1.030 Höhenmetern bezieht sich auf die Aufstiege ab Osterhofen und Bayrischzell. Wer von Brannenburg startet, sollte die Werte der tatsächlich gewählten Route prüfen, statt die Zahl einfach zu übertragen. Schon kleine Unterschiede beim Ausgangspunkt, bei einem Abstecher oder bei der Linienführung können die Rechnung verändern.

Auch die reine Gehzeit wird gern missverstanden. Drei oder vier Stunden in einer Touren-App bedeuten nicht automatisch, dass die gesamte Unternehmung nach drei oder vier Stunden erledigt ist. Zu dieser Zeit kommen Pausen, Trinkstopps, Orientierung, langsamere Passagen und gegebenenfalls Wartezeiten hinzu. Wer mit Kindern, weniger trainierten Mitwanderern oder bei wechselhaften Bedingungen unterwegs ist, braucht zusätzlich Reserve.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie schnell bin ich auf flacher Strecke? Sondern: Wie verhalte ich mich nach mehreren Stunden Steigung auf unebenem Untergrund? Ein Tempo, das im ersten Waldabschnitt problemlos funktioniert, muss am steileren Schlussanstieg nicht mehr realistisch sein. Fels, Geröll, feuchte Wurzeln oder ein schneebedeckter Abschnitt bremsen den Schritt und erhöhen gleichzeitig die Konzentrationsarbeit.

Besonders tückisch ist die Versuchung, sich an einer pauschalen Aufstiegsgeschwindigkeit festzuhalten. Wer gleich zu Beginn zu schnell geht, merkt den Fehler oft erst spät. Dann fehlt die Kraft dort, wo der Weg anspruchsvoller wird und der Rückweg noch bevorsteht. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine falsche Eingangskalkulation.

Eine belastbare Planung enthält deshalb mehrere Bausteine:

  • die Höhenmeter und die Länge der konkreten Route,
  • die technischen Schwierigkeiten des Weges,
  • realistische Pausen statt einer idealisierten Gehzeit,
  • einen Zeitpuffer für Fotostopps, Orientierung und langsamere Mitwanderer,
  • eine Umkehrzeit, nach der der Gipfel nicht mehr das wichtigste Ziel ist,
  • ausreichend Tageslicht für den vollständigen Rückweg.

Der Aufstieg von Brannenburg über Aipl und die Mitteralm ist nicht einfach eine lange, gleichmäßig ansteigende Rampe. Je nach gewählter Variante wechseln sich gemütlichere Abschnitte mit steileren Passagen ab. Auf den Routen von Osterhofen oder Bayrischzell verändert sich die Belastung ebenfalls im Verlauf der Tour. Im oberen Bereich kommen felsigere Passagen und ein anderer Untergrund hinzu. Wer dort bereits am persönlichen Limit angekommen ist, hat nicht automatisch den schwierigsten Teil hinter sich.

Höhenmeter sind keine abstrakte Zahl in der App. Sie sind Arbeit, die am Ende der Tour noch in den Beinen steckt.

Der häufigste Planungsfehler

Viele Touren scheitern nicht an einem einzelnen steilen Stück, sondern an der Summe kleiner Fehlentscheidungen: zu schnelles Anfangstempo, zu wenige Trinkpausen, kein Essen für den Fall einer Verzögerung und ein Rückweg, der nur als kurzer Nachsatz eingeplant wurde. Der Abstieg ist dabei nicht bloß die umgekehrte Version des Aufstiegs. Müde Beine reagieren langsamer, und auf losem oder nassem Untergrund steigt die Fehleranfälligkeit.

Wer die Bergtour am Wendelstein für Anfänger plant, sollte daher nicht nur die Gipfelhöhe anschauen. Eine einfache Vorbereitung besteht darin, eine vergleichbare Tour mit längerer Steigung zu wählen und dabei das eigene Tempo, die Pausen und die Reaktion am Ende des Tages zu beobachten. Das ist aussagekräftiger als die Frage, ob man im Alltag problemlos mehrere Kilometer zu Fuß schafft.

2. Trittsicherheit und die Statistik der DAV-Sicherheitsforschung

Trittsicherheit ist am Wendelstein kein Bonus für besonders erfahrene Bergsteiger. Sie beeinflusst, wie sicher jemand auf unebenem, steilem oder rutschigem Gelände unterwegs ist. Dazu gehören Gleichgewicht, Schritttechnik, vorausschauendes Gehen und die Fähigkeit, den Untergrund richtig einzuschätzen. Auch das Schuhwerk spielt eine Rolle, ersetzt aber die Bewegungserfahrung nicht.

Die in der DAV-Sicherheitsforschung genannte Größenordnung von 46 Prozent bezieht sich auf Unfälle beim Bergwandern, die mit Stolpern, Umknicken oder Ausrutschen zusammenhängen. Diese Zahl zeigt, wie häufig solche Mechanismen eine Rolle spielen. Sie belegt aber keine vollständige Rangfolge aller Gefahren im Bayerischen Voralpenraum und erlaubt nicht den Schluss, Wetter, Steinschlag oder Orientierungsfehler seien grundsätzlich weniger relevant. Je nach Tour, Jahreszeit, Gelände und Wetterlage können andere Risiken entscheidend werden.

Das ist mehr als eine statistische Feinheit. Wer die Zahl als Freibrief für eine einfache Erklärung benutzt, verpasst den eigentlichen Punkt: Unfälle entstehen häufig aus einer Kombination. Ein unpassender Schuh, nasser Fels, nachlassende Konzentration und Zeitdruck können zusammen problematischer sein als jeder einzelne Faktor für sich.

Trittsicherheit lässt sich langfristig entwickeln. Sie entsteht durch regelmäßiges Gehen auf unterschiedlichen Untergründen, durch passende Übungstouren und durch das Lernen, die eigene Geschwindigkeit an das Gelände anzupassen. Am Tag der Wendelstein-Tour lässt sich fehlende Erfahrung allerdings nur begrenzt ersetzen. Man kann dann keine jahrelange Übung nachholen, aber man kann die Anforderungen ehrlich einschätzen und die Route entsprechend wählen.

Für die Vorbereitung bedeutet das:

  • Vor einer anspruchsvolleren Tour auf befestigten Wegen auch felsige, wurzelige und geröllige Abschnitte üben.
  • Nicht erst am Gipfeltag feststellen, dass die Schuhe drücken oder auf nassem Untergrund keinen sicheren Halt geben.
  • Beim Abstieg kleine, kontrollierte Schritte setzen und nicht versuchen, mit großen Sprüngen Zeit zu gewinnen.
  • Bei Unsicherheit Abstand zu anderen Gruppen halten, damit niemand durch hastiges Ausweichen zusätzlich unter Druck gerät.
  • Die Bedingungen am Tourentag berücksichtigen: Trockenes Sommerwetter und nasser Herbstboden sind nicht dieselbe Tour.
  • Schneefelder oder vereiste Passagen nicht als nebensächliche Reste betrachten, sondern als eigenständige Geländeabschnitte.

Bergwanderschuhe mit griffiger Sohle und stabiler Passform sind auf den anspruchsvolleren Wegstücken sinnvoll. Eine bestimmte Schuhkategorie ist aber keine automatische Sicherheitsgarantie. Auch ein fester Schuh kann auf glattem Fels wegrutschen, wenn der Schritt zu schnell gesetzt wird oder die Route bei den aktuellen Bedingungen nicht passt. Leichte Schuhe, die auf Forstwegen angenehm sind, können in felsigem Gelände an ihre Grenzen kommen.

Wer seine Trittsicherheit verbessern möchte, muss dafür nicht sofort die schwierigste Route wählen. Ein sinnvoller Aufbau beginnt mit kürzeren Touren, auf denen man bewusst auf Fußstellung, Schwerpunkt und Tempo achtet. Erst wenn das zuverlässig funktioniert, kommen längere und steilere Unternehmungen hinzu. So wird Trittsicherheit zu einer trainierten Fähigkeit und nicht zu einer Eigenschaft, die man sich für den Gipfeltag einfach zuschreibt.

3. Zeitmanagement am Berg: Die Tücke der Bergbahn-Schließzeiten

Die Wendelsteinbahn kann die Tourenplanung vereinfachen – oder sie unnötig kompliziert machen. Wer für den Rückweg mit der Bahn rechnet, baut eine feste Abhängigkeit in seine Route ein. Das ist grundsätzlich kein Problem. Problematisch wird es, wenn die letzte Talfahrt nur als ungefährer Wert im Hinterkopf steht.

Fahrplan, Betriebszeiten und mögliche Änderungen gehören vor der Tour geprüft. Maßgeblich ist der aktuelle Fahrplan des jeweiligen Betriebstags, nicht eine alte Angabe aus einer Tourenbeschreibung oder die Erinnerung vom vergangenen Sommer. Auch Wartungen, wetterbedingte Einschränkungen oder ein saisonal anderer Betrieb können den Plan verändern.

Der häufige Fehler sieht so aus: Der Aufstieg wird großzügig, der Aufenthalt am Gipfel ausführlich und die letzte Talfahrt optimistisch kalkuliert. Kommt unterwegs eine Pause dazu, wird die Gruppe langsamer oder zieht Wetter auf, schrumpft der Puffer. Am Ende steht die Entscheidung nicht mehr zwischen zwei angenehmen Varianten, sondern zwischen einem überhasteten Abstieg und einer deutlich längeren Rückkehr.

Besser ist ein Zeitplan mit klaren Grenzen:

1. Die erste mögliche Verzögerung bereits bei der Startzeit berücksichtigen.

2. Die letzte Talfahrt nicht als Zielzeit, sondern als äußerste Grenze behandeln.

3. Einen deutlichen Puffer einplanen und nicht erst wenige Minuten vorher an der Bergstation eintreffen wollen.

4. Vor dem letzten anspruchsvolleren Abschnitt prüfen, ob der Gipfel noch realistisch ist.

5. Den vollständigen Fußabstieg als eigenständige Variante kennen – einschließlich Zeit, Wegzustand und Tageslicht.

Wer die Bahn nur als Option und nicht als Rettungsanker betrachtet, plant robuster. Die Rückfahrt mit eigener Kraft muss nicht der bevorzugte Plan sein. Sie sollte aber so weit bekannt sein, dass bei einer verpassten Talfahrt keine Orientierungslosigkeit entsteht. Je nach Route, Kondition und Bedingungen kann der Abstieg erheblich länger dauern, als die müde Gruppe zunächst annimmt.

Auch die Richtung der Tour sollte nicht ausschließlich nach dem bequemsten Transportmittel gewählt werden. Schatten, Hitze, Nässe und die Tageszeit verändern die Belastung. Ein Weg, der am Vormittag angenehm wirkt, kann am Nachmittag durch aufgeweichten Untergrund oder nachlassende Konzentration deutlich anspruchsvoller werden.

4. Ausrüstung und Wetter: Vorbereitung auf alpine Wetterumstürze

Am Wendelstein kann sich die Wetterlage schneller verändern, als es der Blick aus dem Tal vermuten lässt. Eine freundliche Wettervorhersage ist eine gute Grundlage, aber keine Garantie für gleichbleibende Bedingungen während der gesamten Tour. Wolken, Wind, Nässe und eingeschränkte Sicht beeinflussen nicht nur den Komfort, sondern auch Tempo, Orientierung und Trittsicherheit.

Die richtige Konsequenz ist keine dramatische Überausstattung. Sie besteht darin, die Ausrüstung an die Route und die mögliche Verzögerung anzupassen. Wer nur für den Idealfall packt, hat bei einer ungeplanten Pause keine Reserve. Wer dagegen eine zusätzliche Schicht, Wetterschutz und Licht dabeihat, kann auf eine Verschlechterung reagieren, ohne sofort die gesamte Tour abbrechen zu müssen.

In den Rucksack gehören je nach Jahreszeit und Route unter anderem:

  • feste Bergwanderschuhe mit passender, griffiger Sohle,
  • eine wind- und wasserdichte Außenschicht,
  • eine zusätzliche warme Schicht für Pausen und den Gipfelbereich,
  • Mütze und Handschuhe in der Übergangszeit,
  • ausreichend Wasser und etwas energiereiche Verpflegung,
  • ein kleines Erste-Hilfe-Set mit Rettungsdecke,
  • Blasenpflaster und eine elastische Binde,
  • eine Stirnlampe oder ein anderes verlässliches Licht,
  • eine Offline-Karte auf dem Smartphone,
  • zusätzlich eine topografische Karte, wenn die Route bei schlechter Sicht schwer zu verfolgen ist,
  • ein vollständig geladenes Mobiltelefon und gegebenenfalls eine Powerbank.

Die genaue Wassermenge hängt von Temperatur, Dauer, persönlichem Bedarf und den Möglichkeiten entlang der Route ab. Ein Liter als pauschaler Minimalwert ist für eine lange Bergtour keine belastbare Planung. Gleichzeitig hilft es nicht, nur möglichst viel mitzunehmen, wenn die Tour wegen fehlender Kondition viel länger dauert als gedacht. Wasser und Verpflegung müssen zur realistischen Dauer passen.

Baumwollkleidung ist bei warmem Wetter angenehm, verliert aber bei Nässe und Wind schnell ihre isolierende Wirkung. Eine leichte Regenjacke wiegt weniger als die Folgen einer durchnässten Pause. Die Stirnlampe ist ebenfalls kein Zeichen dafür, dass man eine Nacht am Berg plant. Sie ist eine Reserve für Verzögerungen, eine verspätete Rückkehr oder eine unerwartet schlechte Sicht.

Wetterbeobachtung endet nicht mit dem Blick auf die App am Frühstückstisch. Während der Tour sollte die Gruppe wahrnehmen, ob sich Wolken verdichten, der Wind auffrischt, Donnergrollen näher kommt oder der Untergrund durch Regen rutschiger wird. Bei Gewitterneigung ist der Grat- und Gipfelbereich besonders kritisch. Dann kann die richtige Entscheidung darin bestehen, einen exponierten Abschnitt nicht mehr zu betreten oder rechtzeitig umzudrehen.

Ein Wetterbericht beschreibt eine wahrscheinliche Entwicklung. Er nimmt Ihnen die Beobachtung am Berg nicht ab.

5. Orientierung und Notfallmanagement: Richtiges Verhalten bei Zwischenfällen

Der Wendelstein ist kein Labyrinth. Das bedeutet aber nicht, dass Orientierung bei jeder Wetterlage automatisch einfach bleibt. Wege, Abzweigungen und Markierungen können bei guter Sicht klar wirken. In Nebel, starkem Regen, Schneeresten oder einsetzender Dämmerung verändert sich die Situation. Entfernungen werden falsch eingeschätzt, bekannte Geländepunkte verschwinden, und eine scheinbar eindeutige Spur kann plötzlich in die falsche Richtung führen.

Smartphone-Navigation ist nützlich, aber sie sollte nicht die einzige Grundlage der Tour sein. Offline-Karten müssen vor dem Start geladen und die Bedienung muss bekannt sein. Ein schwacher Akku, Kälte, Nässe oder ein beschädigtes Gerät können die digitale Orientierung einschränken. Das GPS zeigt zudem nicht immer, ob ein sichtbarer Pfad tatsächlich der richtige oder bei den aktuellen Bedingungen der sichere Weg ist.

Bei schlechter Sicht gilt deshalb ein nüchterner Grundsatz: nicht auf gut Glück weitergehen. Wer den Wegverlauf nicht mehr sicher bestimmen kann, bleibt möglichst an einem geschützten, übersichtlichen Ort, prüft die letzte eindeutige Position und entscheidet dann über Umkehr oder eine andere sichere Option. Auf schmalen oder ausgesetzten Passagen ist es keine gute Strategie, sich suchend weiter in unbekanntes Gelände vorzuarbeiten.

Die Formulierung, der Wendelstein sei auch bei dichtem Nebel sicher, wäre dagegen falsch. Kein alpiner Weg ist bei jeder Sicht und jedem Wetter pauschal sicher. Auch ein bekannter Weg kann bei schlechter Sicht, Nässe, Schnee oder Eis anders zu bewerten sein. Wer die Route nicht mehr eindeutig erkennt oder sich im Gelände unwohl fühlt, sollte umkehren, solange das noch kontrolliert möglich ist.

Was bei einem Zwischenfall zählt

Bei einem Unfall oder einer akuten gesundheitlichen Verschlechterung geht es zuerst darum, die betroffene Person und die Gruppe zu sichern. Die europaweite Notrufnummer 112 ist die richtige Anlaufstelle. Je nach Empfang kann der Notruf direkt, über eine geeignete Notruf-App oder von einem Punkt mit besserer Verbindung abgesetzt werden. In abgelegenem Gelände und bei schlechter Witterung kann Hilfe Zeit benötigen.

Für den Notruf sind vor allem klare Angaben wichtig:

  • Wo befindet sich die Gruppe möglichst genau?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Personen sind betroffen?
  • Welche Verletzungen oder Beschwerden liegen vor?
  • Ist die Person ansprechbar und bewegungsfähig?
  • Wie ist das Wetter am Unfallort?
  • Gibt es eine sichere Möglichkeit, den Standort sichtbar zu machen?

Koordinaten können die Suche erleichtern, sollten aber nicht blind aus einer ungenauen Anzeige übernommen werden. Eine zusätzliche Beschreibung mit Wegname, markantem Gelände, Abzweigung oder zuletzt passiertem Wegpunkt ist hilfreich. Wer den Standort nicht exakt kennt, sollte das offen sagen und nicht aus Unsicherheit eine scheinbar präzise Angabe erfinden.

Bis Hilfe eintrifft, gilt: Wärme erhalten, die betroffene Person möglichst vor Nässe und Wind schützen und unnötige Bewegungen vermeiden. Bei einer Verletzung, die einen sicheren Abstieg nicht zulässt, sollte die Gruppe nicht einfach weitergehen und die Person allein zurücklassen. Gleichzeitig ist es nicht sinnvoll, sich und weitere Mitwanderer durch gefährliche Eigenrettungsversuche zusätzlich in Gefahr zu bringen.

Die Stirnlampe dient im Notfall nicht nur dem Weitergehen. Sie kann bei Dunkelheit helfen, den Standort sichtbar zu machen. Ein Handylicht ist eine Reserve, ersetzt aber keine verlässliche Lampe und belastet den Akku. Gerade deshalb sollte die Notfallausrüstung nicht erst dann zusammengesucht werden, wenn die Dämmerung bereits eingesetzt hat.

6. Die sechs Fehler in der Tourenplanung

Die sechs typischen Fehler liegen selten isoliert vor. Meist verstärken sie sich gegenseitig: Wer seine Kondition überschätzt, kommt später an, verpasst möglicherweise die Bahn, steigt bei schlechterem Licht ab und hat dann mit müden Beinen weniger Reserven auf schwierigem Untergrund.

  • Die Höhenmeter werden pauschal übertragen. Die Größenordnung von rund 1.000 bis 1.030 Höhenmetern gilt für die Aufstiege ab Osterhofen und Bayrischzell. Für Brannenburg zählt der konkrete Startpunkt und die konkrete Route.
  • Die eigene Kondition wird mit einer App-Zeit verwechselt. Gehzeiten sind keine Garantie. Pausen, Untergrund, Wetter und Gruppentempo gehören in die Rechnung.
  • Trittsicherheit wird unterschätzt oder als unveränderliche Begabung betrachtet. Sie lässt sich durch Übung entwickeln, aber nicht am Tourentag kurzfristig herbeizaubern. Schuhe helfen nur zusammen mit passender Technik und einer realistischen Routenwahl.
  • Die Bergbahn wird als sicherer Rückweg eingeplant. Fahrplan und letzte Talfahrt müssen aktuell geprüft werden. Der Fußabstieg sollte als echte Alternative bekannt sein.
  • Die Wettervorhersage wird mit einer Wettergarantie verwechselt. Zusätzliche Kleidung, Licht und ein Plan für eine frühere Umkehr sind keine Übertreibung, sondern vernünftige Reserven.
  • Ein Zwischenfall wird zu spät als solcher erkannt. Schmerzen, Erschöpfung, Orientierungsverlust oder ein aufziehendes Gewitter sind keine Störungen, die man einfach bis zum Gipfel ignoriert.

Diese Punkte sind keine Verbote. Sie geben der Tour lediglich einen realistischen Rahmen. Wer merkt, dass die Zeit knapp wird, muss nicht erst auf einen dramatischen Anlass warten, um umzukehren. Am Berg ist eine frühe Korrektur fast immer einfacher als eine späte Notlösung.

Position

Der Wendelstein ist ein anspruchsvolles, aber für gut vorbereitete Wanderer lohnendes Tagesziel. Die richtige Vorbereitung auf eine Bergtour am Wendelstein beginnt nicht beim Packen, sondern bei der ehrlichen Auswahl von Route, Zeitfenster und Ausweichmöglichkeiten. Die Höhenmeter ab Osterhofen oder Bayrischzell sind konkret zu benennen; für Brannenburg muss die eigene Strecke separat betrachtet werden. Trittsicherheit ist trainierbar, aber Erfahrung auf schwierigem Untergrund lässt sich nicht in wenigen Stunden nachholen. Und keine Route bleibt unabhängig von Wetter, Sicht und Tagesform automatisch sicher.

Das ist kein Plädoyer gegen den Berg. Es ist ein Plädoyer gegen Improvisation an der falschen Stelle. Wer Tempo, Ausrüstung, Wetterbeobachtung, Orientierung und Rückweg zusammen denkt, nimmt dem Wendelstein nichts von seinem Charakter. Im Gegenteil: Die Aussicht lässt sich besser genießen, wenn die Planung nicht schon am ersten steilen Abschnitt auseinanderfällt. Der Gipfel ist ein Ziel – aber eine gelungene Bergtour endet erst wieder sicher im Tal.

Häufige Fragen

Wie viele Höhenmeter muss man für eine Bergtour am Wendelstein einplanen?
Für die Aufstiege ab Osterhofen und Bayrischzell sind etwa 1.000 bis 1.030 Höhenmeter ein realistischer Richtwert. Bei einem Start in Brannenburg variiert der Höhenunterschied je nach gewählter Route und Startpunkt.
Warum ist die Gehzeit in Touren-Apps oft irreführend?
Die reine Gehzeit berücksichtigt meist keine Pausen, Trinkstopps, Orientierungszeiten oder langsamere Passagen. Zudem beeinflussen Faktoren wie die Tagesform, das Gruppentempo und der Untergrund die tatsächliche Dauer der Tour.
Was sollte bei der Nutzung der Wendelsteinbahn für den Rückweg beachtet werden?
Man sollte sich nicht blind auf die Bahn verlassen, sondern den aktuellen Fahrplan und die Betriebszeiten vorab prüfen. Ein vollständiger Fußabstieg sollte als bekannte Alternative für den Notfall eingeplant werden.
Welche Ausrüstung ist für eine Tour am Wendelstein notwendig?
Neben festen Bergwanderschuhen mit griffiger Sohle gehören wind- und wasserdichte Kleidung, eine zusätzliche warme Schicht, ausreichend Verpflegung, ein Erste-Hilfe-Set, eine Stirnlampe sowie Offline-Karten und ein geladenes Mobiltelefon in den Rucksack.
Wie verhalte ich mich bei einem Notfall am Berg?
Zuerst müssen die betroffene Person und die Gruppe gesichert werden. Über die Notrufnummer 112 sollten klare Angaben zum Standort, zur Art des Vorfalls, zur Anzahl der Personen und zu den Verletzungen gemacht werden.

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